Samstag, 20. Juni 2020
Stalker
Sowjetunion 1979
Regie: Andrei Tarkowski

Psychoanalytische Interpretation:
Dr. Ulrich Baumann, Jonas Lauterbach

Stalker erzählt von der Reise eines Wissenschaftlers und eines Schriftstellers in die sogenannte Zone, ein streng von der Außenwelt abgeriegeltes Sperrgebiet. Die beiden Männer werden geführt von einem Wegkundigen, dem Stalker, der die unerklärlichen Gesetze und die unberechenbaren Gefahren der Zone kennt. Ihr gemeinsames Ziel ist ein Zimmer, in dem die geheimsten und den Besuchern selbst unbekannten Wünsche erfüllt werden sollen. Der Weg dahin führt vorbei an den Überresten zerstörter und von der Natur bereits überwucherter Zivilisation. Unterwegs debattieren die Protagonisten über die Grenzen von Technik und Wissenschaft, über Glauben und Hoffnung sowie über das Wesen der verborgenen Wünsche.

Andrei Tarkowskis melancholisches Meisterwerk ist ein Höhepunkt des sowjetischen Kinos. Darin verarbeitet der russische Regisseur den Stoff des Science-Fiction-Romans Picknick am Wegesrand der polnischen Autoren Arkadi und Boris Strugazki. Die Vorlage dient Tarkowski als Hintergrund für mystisch-philosophische Reflektionen, die ohne die üblichen Effekten des Sci-Fi-Kinos auskommen und auch die Konventionen des klassischen Erzählkinos konsequent überschreiten. In meditativen Einstellungen und minutenlangen Kamerafahrten macht Tarkowski die Zone sinnlich erfahrbar. Durch den pointierten Wechsel von monochronen und farbigen Sequenzen verleiht er dem Film eine eigenwillige Ästhetik. In den traumartigen Sequenzen und Einstellungen wird die Kontinuität von Raum und Zeit immer wieder unterbrochen und der Zuschauer durch Sprünge in der Montage irritiert. Die assoziative Suggestivkraft und die kinematische Poesie des Filmes ermöglichen es dem aufgeschlossenen Zuschauer, sich der Expedition in die Zone respektive die eigene Innenwelt anzuschließen und sich selbst dem Wagnis auszusetzen, seine tiefsten Wünsche zu ergründen.

AG Psychoanalyse und Film
Ellen Englert, Norma Heeb, Birgit Justl,
Birgit Pechmann, Norbert Spangenberg


Ort: Institut für Psychoanalyse Frankfurt (IPF)/DPG
Mendelssohnstr. 49, 60325 Frankfurt/Main

Termin: Samstag, 20. Juni 2020, 10.00 Uhr – 14.00 Uhr

Alle Mitglieder, Kandidatinnen und Kandidaten, sowie interessierte Gäste sind herzlich eingeladen!